Willkommen im Weltverbesserungs-Contest

„Was, Du planst nach Corona einen Wochenendtrip nach Mallorca?“, „bist Du Dir sicher, dass Fleisch essen eine gute Idee ist“ oder „aus der Kirche bin ich ausgetreten, ich glaube das solltest Du auch mal langsam tun“.

Alles völlig moralisch bekannte und auch sehr oft gehörte Sätze in der Zeit, in der wir leben. Zum Problem werden sie dann, wenn wir anfangen, jemand anderen mit seiner Art zu leben falsch zu machen. Ich befinde mich in einem Umfeld von Menschen, die alle auf irgendeine Art und Weise die Welt besser machen. Was ich feststelle ist, dass wir anscheinend nicht alle gleich gut sind in allen Dingen, die wir tun. Manchmal machen wir daraus einen Contest.

Ich glaube sehr wohl, dass es sinnvoll ist, die Umwelt, das Klima und auch die Freiheit von Menschen zu schützen. Wenn wir es jedoch als Zweck dafür nehmen, anderen ein schlechtes Gefühl zu geben, dann haben wir die Welt nicht verbessert. Wir haben damit nur wieder einmal mehr bewiesen, dass wir Recht haben, und nichts hat sich verändert.

Ich habe keine empirischen Studien darüber, aber ich glaube viele Konflikte, wenn nicht die meisten, entstehen daraus, dass die eigene Wahrheit als „besser“ angesehen wird, als die des anderen. Hier ein praktisches Beispiel vom Wochenende: Ich war felsenfest der Meinung, dass die Frau, der ich in dem Naturschutzgebiet um die Ecke begegnete, eine deutlichen Hinweis bekommen sollte, weil sie ihren Hund einfach ohne Leine laufen ließ, OBWOHL es sich um ein Vogelzuchtgebiet handelte.

Ich fühlte den „gerechten“ Ärger in mir aufsteigen, und ich konnte mich gerade noch zurückhalten genau diesen an ihr abzulassen. Ich hätte gar nichts damit erreicht, weil diese Frau nicht mal den Inhalt meines Satzes verstanden hätte, sondern nur meine aufgebracht-verurteilende Art und Weise mit ihr zu reden. Wer nimmt in so einer Art von Kommunikation schon gern was an? Niemand!

Warum uns sowas immer wieder passiert? Vielleicht, weil wir selbst gerade nicht so stark im Einklang sind mit unseren eigenen Werten und es dann kompensieren müssen mit ein paar aufgeblasenen Dingen, die wir „vermeintlich“ richtig machen (und andere nicht). Vielleicht aber auch, weil uns dieser Umgang so gelehrt wurde und wir selbst 1000 mal so behandelt wurden.

Es ist eigentlich egal warum, der Moment in dem Du die Welt verbesserst ist der, wo Du aufgibst, recht haben zu wollen. Wo Du einen anderen Standpunkt wirklich anhörst, ohne ihn falsch zu machen. Du musst ihn noch nicht mal komplett annehmen und „richtig machen“, du musst ihn nur erlauben (wie oft wollen wir eigentlich gar nicht hören, was der andere zu sagen hat).

Es wäre der Moment gewesen, in dem ich mit der Frau im Naturschutzgebiet vielleicht ein ganz normales Gespräch hätte führen können darüber, ob sie etwas von der Leinenpflicht weiß. Und wer weiß, vielleicht wären wir beide hinterher ein Stück bereicherter aus dem Gespräch gegangen. Die Welt zu einem besseren Platz zu machen, fängt im eigenen Bewusstsein an. Wir können alle jederzeit damit anfangen.

Jeder Moment des Glücks, jeder Moment der Trauer, jede Freundlichkeit, jeder kritische Gedanke hinterlässt Spuren auf dem Plan der Welt.

Harry Palmer, Autor der Avatar Unterlagen

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